Ein «Brückenschlag» zu überraschenden Horizonten.
Arbon. Von weitem denkt man an ein Baugerüst im asiatischen Raum. Dicht nebeneinanderstehende Pfosten, dort meist aus Bambus, hier aus Fichte, ragen gegen den tiefblauen Himmel, kontrastieren mit dem Grün der Wiese und der zwischen Grün und Blau oszillierenden Wasseroberfläche.
Selbstverständnis befragen Wir befinden uns weder an der Meerenge von Kalabrien und auch nicht in einem Comicstrip von Dagobert Duck, dessen Brückenvision nicht nur geplant, sondern auch gebaut worden war. Es handelt sich bei diesem Objekt um eines zwischen Kunst, Spiel und Imagination und in diesem Triumvirat um eine Konstruktion des Absurden. Alles scheint zu stimmen: Die Höhe der Hölzer, ihre Dicke und ihre Anzahl, die Distanz vom Boden bis zum horizontalen Steg, der Unterbau, das Geländer. Nur, was soll hier gebaut werden? Eine Verbindung nach drüben, ans deutsche Ufer?
Angesichts des konsequenten Zu-Ende-Denkens dieser Fragestellung landet man unwillkürlich auf dem harten Boden der Realität beziehungsweise bäuchlings im Wasser. Dieser Brückenstummel mit dem Titel «So weit das Budget reicht» persifliert die Utopie vom Denk- und Machbaren einer einzigen Welt, im Sinne von kultureller Toleranz, Ressourcen und Gleichberechtigung. Die beiden Künstler Matthias Bildstein und Philippe Glatz, Subversive ihres Fachs, spielen mit ihrer Installation nicht zum ersten Mal mit den Rasterverschiebungen der Wahrnehmung. Die Ziele ihrer gemeinsamen Kunstinterventionen sind oft Orte im öffentlichen Raum, wo etwa, wie in Wien geschehen, auch mal eine historische «Galionsfigur» aus den Sockeln gehoben und auf den Kopf gestellt wird.